Hautpflege bei Strahlentherapie

Tipps und Empfehlungen, um Beschwerden bei bestrahlter Haut zu mindern

Hautpflege Handlungsempfehlung Radiologe

Die Strahlentherapie im Rahmen einer onkologischen Behandlung kann als Nebenwirkung Hautirritationen hervorrufen. Die Strahlung gelangt über die gesunde Haut ins erkrankte, tiefere Gewebe. In der Vergangenheit wurden enorme Fortschritte bei der zielgerichteten Bestrahlung von Krebszellen gemacht: Strahlenreaktionen der Haut treten heute weit weniger häufig und in schwächerem Ausmaß auf als noch vor einigen Jahrzehnten, können aber nicht gänzlich verhindert werden.

In diesem Artikel erfahren Sie, welche Nebenwirkungen aufgrund der Bestrahlung auftreten können und Sie erhalten hilfreiche Tipps, wie Sie Hautirritationen nach dieser Therapie vermeiden oder Beschwerden wie Juckreiz lindern.

  1. Haut nach Bestrahlung: Nebenwirkungen der Strahlentherapie
  2. Pflege der Haut bei Strahlentherapie
  3. Strahlentherapie Tipps: Kleidung
  4. Strahlentherapie Tipps: Körperreinigung
  5. Strahlentherapie Tipps: Hautpflege
  6. Strahlentherapie Tipps: Allgemeine Empfehlungen

Auswirkungen der Bestrahlung auf die Haut

Eine Strahlentherapie zieht sich in der Regel über mehrere Wochen und Monate. Im Laufe der Behandlung können dabei Strahlenreaktionen an der Haut auftreten – in der Fachsprache Radiodermatitis genannt. Die Hautirritationen treten von Patient zu Patient unterschiedlich stark auf. Die Beschwerden sind bspw. abhängig vom bestrahlten Areal, ob der Tumor nah an der Haut liegt oder sich tiefer im Gewebe befindet sowie vom Hauttyp und Alter des Betroffenen.

Die Symptome ähneln oft einem Sonnenbrand, können aber auch schwerer ausfallen. Mögliche Hautirritationen sind:

  • Rötung
  • Schwellung
  • Juckreiz
  • Brennen
  • Trockene Hautschuppen
  • Spannende Haut

Bei stärkeren Hautreaktionen können sich die Nebenwirkungen wie bei einer Verbrennung äußern. Es entstehen Blasen oder Wunden. Erste Beschwerden deuten sich meist erst einige Wochen nach dem Beginn der Strahlentherapie an. Sie treten nur lokal auf, d. h. nur in dem bestrahlten Gebiet und klingen nach Therapieende wieder ab.

In seltenen Fällen kann die Haut bleibende Veränderungen, wie Hyperpigmentierung, Narben oder geplatzte Äderchen davonträgt. Auch ist es u. U. möglich, dass sie nicht vollständig oder nur sehr langsam heilt.

Strahlentherapie und Hautpflege

Hautpflege Strahlentherapie

Da die Haut durch die Bestrahlung stark beansprucht wird, sollten zusätzliche Reizungen vermieden werden. Es wird dabei zwischen drei Arten von Reizen unterschieden:

  • Mechanisch: Reizungen durch Reibung, z. B. durch scheuernde Kleidung
  • Chemisch: hautreizende Inhaltsstoffe, z. B. in Produkten zur Körperpflege
  • Thermisch: temperaturbedingte Reizungen, z. B. durch starke Hitze- oder Kälteeinwirkung

Eine auf den Patienten abgestimmte Hautpflege trägt nicht nur zum Erfolg der Behandlung bei, sondern vermindert auch die Belastung während der Therapiedauer. Sprechen Sie bei Hautproblemen mit Ihrem Strahlentherapeuten oder Radiologen. Folgende Tipps können Sie im Alltag befolgen, um Hautirritationen zu vermeiden.

Tipps für die richtige Kleidung während der Radiotherapie

  • Verzichten Sie auf kratzende Stoffe und enganliegende Kleidung
  • Beachten sie, dass besonders Nähte oder Gummizüge die bestrahlte Haut reizen können
  • Vermeiden Sie Kleidung aus Kunstfasern, da hier die Gefahr eines Wärmestaus besteht
  • Besser sind Kleider aus Naturfasern, wie glatte Baumwolle oder Leinen
  • Seide hat zusätzlich noch einen kühlenden Effekt auf die Haut
  • Verwenden Sie natürliches Waschmittel, das auch für Allergiker geeignet ist, da Rückstände von normalem Waschmittel in der Kleidung Hautreizungen begünstigen können
  • Verzichten Sie auf das Tragen von Schmuck im bestrahlten Bereich, um Reibung zu vermeiden
  • Bei der Bestrahlung der Brust kann es sinnvoll sein, für einige Wochen auf das Tragen eines BHs zu verzichten
  • Alternativ sollte der BH möglichst keine Metallbügel haben und dafür aus einem weichen, elastischen Stoff bestehen

Tipps für die Körperpflege während der Strahlentherapie

  • Die betroffenen Hautpartien sollten trocken und sauber gehalten werden
  • Die Reinigung mit lauwarmem Wasser und milder, neutraler Seife ist möglich
  • Die Haut sollte dabei nicht aufweichen und Markierungen für die Bestrahlung müssen erhalten bleiben
  • Beim Duschen sollte die Haut maximal zwei Minuten mit Wasser in Kontakt kommen
  • Vom Baden, Schwimmen und Saunagängen ist abzuraten
  • Nach dem Duschen oder Waschen tupfen Sie die Haut sanft trocken oder trockenen Sie sie mit der Kaltstufe eines Föhns
  • Vermeiden Sie Nassrasuren oder chemische Haarentfernungscremes auf den bestrahlten Hautpartien
  • Verzichten Sie auf Deodorant, Parfüm, Duftstoffe oder alkoholhaltige Mittel, wie bspw. Rasierwasser oder Desinfektionsmittel

Tipps für die Hautpflege vor und nach der Bestrahlung

  • Sie können Hautveränderungen bereits vor Beginn der Behandlung mit einer guten Pflege vorbeugen
  • Achten Sie bei der Hautpflege vor Therapiebeginn auf Produkte, die die Elastizität der Haut erhöhen und dabei auf Duft- und Konservierungsstoffe verzichten
  • Am Tag der Strahlensitzung keine Hautpflegeprodukte vor der Bestrahlung anwenden
  • Kontrollieren Sie die bestrahlte Haut nach jeder Therapiesitzung an der Ein- und Austrittsstelle
  • Cremes oder Lotionen nicht einreiben, sondern sanft und dünn mit einem sauberen Finger auftragen
  • Markierungen beim Eincremen auslassen, um sie nicht zu verwischen
  • Verwenden Sie keine stark fetthaltige Creme oder Salbe, um einen Hitzestau zu vermeiden
  • Besser sind Cremes mit einer Öl-in-Wasser-Formulierung (Ö/W-Typ) und kühlender Wirkung

Linola Radio-Derm wurde speziell für die Bedürfnisse bestrahlter Haut entwickelt. Die Creme ist so formuliert, dass sie leicht fettet und die Haut dabei nicht abdichtet. Die Öl-in-Wasser-Emulsion wirkt kühlend, wodurch Juckreiz gelindert wird.

Weitere Tipps zur Pflege von bestrahlter Haut

  • Lassen Sie so oft wie möglich Luft an die bestrahlte Hautpartie
  • Kratzen Sie die betroffenen Stellen auch bei Juckreiz nicht und vermeiden Sie mechanische Reibung mit den Händen oder bei Massagen
  • Vermeiden Sie sehr heiße oder kalte Reize, da die bestrahlte Haut empfindlich auf Temperaturunterschiede reagieren kann (z. B. heißes Duschen, Wärmflasche, Körnerkissen, Infrarot-Lampe oder kalte Kompressen direkt auf dem bestrahlten Gebiet)
  • Bei akutem Juckreiz können Sie die betroffene Stelle zwar kühlen, allerdings sollten Sie die maximale Dauer von 20 Minuten nicht überschreiten. Hierfür eigenen sich Quarkauflagen, Kühlpacks oder Eiswürfel. Umwickeln Sie sie mit Plastik, damit sie nicht nässen. Schlagen Sie sie anschließend in ein Baumwoll- oder Leinentuch ein, um direkten Hautkontakt zu vermeiden
  • Vermeiden Sie während und auch sechs bis zwölf Monate nach Abschluss der Strahlentherapie direkte Sonneneinstrahlung und verwenden Sie zusätzlich Sonnenschutzmittel mit min. LSF 15
  • Zur Behandlung von trockener Haut können Sie nach Abschluss der Bestrahlung auch wieder stärker fettende Pflegeprodukte verwenden
  • Auch nach Therapieende sollten Sie bis zum vollständigen Abklingen der Hautreaktionen weiterhin ein mildes Shampoo und Duschgel mit hautfreundlichem pH-Wert verwenden

Die meisten Nebenwirkungen der Strahlenbehandlung klingen im Laufe der Zeit wieder ab. Sollten bei Ihnen während der Behandlung Hautreaktionen auftreten, sprechen Sie mit dem behandelnden Arzt, um entsprechende Gegenmaßnahmen einzuleiten.

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Quellen:

  1. Leitlinienprogramm Onkologie (Deutsche Krebsgesellschaft, Deutsche Krebshilfe, AWMF): Patientenleitlinie "Supportive Therapie - Vorbeugung und Behandlung von Nebenwirkungen einer Krebsbehandlung ", Februar 2018
  2. Leitlinienprogramm Onkologie (Deutsche Krebsgesellschaft, Deutsche Krebshilfe, AWMF):  Supportive Therapie bei onkologischen PatientInnen - Langversion 1.3, 2020, AWMF Registernummer: 032/054OL, Februar 2020